WG – der tägliche Wahnsinn. Auch in der Corona-Zeit?

von Angela Merz

Wohngemeinschaft als alternatives Wohnen
Viele Junge oder auch Junggebliebene entscheiden sich heute zum Wohnen in einer Gemeinschaft. Zum Teil aus finanziellen Gründen, aber auch um eine Gemeinschaft zu pflegen. Es gibt verschiedene Modelle vom modernen Zusammenleben. Ich selbst lebe in einer 3er-Wohngemeinschaft, da ich das alleine Wohnen satt hatte und eine Art Familien-, Freundschafts-,  Soziallebensersatz leben wollte.

Wohngemeinschaft, alles Partytiger?
Es ist nicht so, dass wir hier ständig Parties feiern und ausgelassene Saufgelage halten. Naja, nicht täglich, jedoch ab und zu gehört auch dies zu einer WG dazu. Wir sind zwischen 34 und 39 Jahre und haben unsere ausgelassenen, partyfreudigen Jahre schon etwas hinter uns gelassen. Es fühlt sich an, als würde man mit Freunden oder Geschwistern zusammenleben.

Was sind die Schwierigkeiten in einer WG?
Puh,...wo fange ich da nur an? Es ist ja nicht so, dass alles super und freudig und unproblematisch funktioniert. Nein, im Gegenteil. Es gibt sehr oft Diskussionspunkte und auch kleine Streitigkeiten. Meist geht es ums Putzen, Aufräumen, Einkaufen. Warum ist die Spühle schon wieder überfüllt? Y hat schon wieder seine 50 paar Schuhe im Eingang stehen lassen. Z will immer alles unter Kontrolle haben und meckert an jedem Kassenzettel rum, der über das gemeinsame Konto läuft. Z hat ein anderes Verständnis für Sauberkeit als X und Y.

Vieles läuft mit gutem Menschenverstand und Verständnis für die Mitbewohner sehr gut. Und so braucht es Regeln. Wir wohnen jetzt in dieser Konstellation seit knapp einem Monat zusammen und wir haben jede Woche bestimmt 2-3 Mal einen Diskussionspunkt, der besprochen werden muss.

Läuft es seit der Corona-Krise anders?
«Ooooh jaaaa!» Seit der Krise arbeiten zwei von uns zu Hause, die dritte Person ist gerade auf Jobsuche und somit auch fast immer zu Hause. Das kann zu Reibereien führen. Unser gemeinsames Büro ist ständig mit mindestens einer Person besetzt. Online-Sitzung hier, Telefongespräch da. Da muss man noch flexibler und toleranter sein, als zu «normalen» Zeiten.

Und da wäre noch das mit dem Social Distancing. Wie funktioniert das? Ehrlich gesagt, gar nicht gut. Wir haben nicht die grösste Küche und können uns grad beim Kochen und Essen nicht sehr gut aus dem Weg gehen. Also mussten wir uns zusammensetzen und eine Lösung finden. Da wir bereits drei Personen im Haushalt sind, haben wir uns aufs absolute Minimum an weiteren Sozialkontakten geeinigt. Das soll heissen, wir treffen uns ausserhalb der Wohnung nur mit den absolut nötigsten. Z trifft sich mit der besten Freundin und ihrem Freund. Y mit seiner Freundin und da kommt X ins Spiel; Er ist  Single und hatte vor einer Woche plötzlich das Bedürfnis seinen inneren Kreis von einer Person auf drei Personen zu erhöhen. Soll man während der Krise daten? «Nein! Nein! Nein!» Doch er wollte nicht hören und tat es trotzdem. Da gab es ein Streitgespräch mit klaren und auch etwas lauteren Ansagen. Ab sofort werden keine weiteren Personen mehr getroffen.

Es ist also immer was los und wird bestimmt nicht langweilig in einer WG. Auch, wenn ich manchmal alle am liebsten rausschmeissen würde. Bleibt gesund!

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  • «Keine ausschweifenden Saufgelage»

  • «WC bitte sauber halten»

  • «Und wer macht jetzt den Abwasch?»

  • «No dates, please!»

  • Auch Schuhe bringen manchmal Unruhe

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