Warum die Eisenbahnlinie links am See vorbeigeht

Und was das Seehotel Sonne in Eich damit zu tun hat.

Ein erster Entwurf
Links: Ein erster Entwurf des deutschen Ingenieurs Ernst Heinrich Michaelis von 1850. Mit Streckenführung bei Sempach vorbei. Rechts: Die heutige Situation, wie wir sie alle kennen; die Strecke geht links am Sempachersee vorbei.
 
1850 erteilte der Bund dem deutschen Ingenieur Ernst Heinrich Michaelis den Auftrag, eine erste Planskizze der Eisenbahnlinie über Sursee zu verfassen. In dieser Version geht die Linie am rechten Ufer des Sempachersees vorbei. Zur Ausgestaltung jener Linie kam es aber nie, da der Oberbaumeister Karl Etzel und das eidgenössische Eisenbahnbüro lediglich linksufrigie Linienvarianten besprachen. Zwischen den ersten Planungsschritten 1850 und der effektiven Erstellung der Eisenbahnlinie vier Jahre später hatte sich jedoch noch so einiges getan.
 
So gab es dann von der Gemeinde Sempach her einiges an Gegenwind, als herauskam, dass der rechtsufrigen Linienführung keine Beachtung geschenkt wurde. Es gab diverse Petitionen und Interventionen von Sempach aus. Immer wieder wurde, unter anderem durch die Bürgerversammlung, veranlasst, dass eine rechtsufrige Lininenführung geprüft werden muss. 
 
Letzen Endes scheiterten die verschiedensten Anstrengungen der Gemeinde Sempach wohl schlicht daran, dass Karl Etzel die Planung und Abklärungen für die linke Seeseite bereits vorgenommen hatte. Dies führte dazu, dass die Luzerner Obrigkeit sich nicht noch einmal auf eine erneute Diskussion einlassen wollte, da dies sehr wahrscheinlich zu Terminverzögerungen und Mehrkosten geführt hätte.
 
Was hat dies mit dem Seehotel Sonne in Eich zu tun?
Im Hinblick auf die bevorstehende Eisenbahnlinie am Sempachersee liess Bauer Wyder von der Oele um 1850 den grossen und feudalen Gasthof zur Sonne erbauen. In der Hoffnung auf viele Kundschaft. Im damaligen Gasthaus wurde im ersten Obergeschoss die Gemeindekanzlei untergebracht. Unter anderem der Entscheid, die Bahnlinie auf die Nottwiler Seite zu verlegen, hatte in den Folgejahren den Konkurs zur Folge. Im Jahr 1859 kauften Johann und Josef Wolfisberg den Betrieb und führten diesen weiter als landwirtschaftlichen Betrieb sowie als einfaches Restaurant mit Gästezimmern.
 
Links: die Station Sempach-Neuenkirch, welche (wegen den linksufrigen Lininienführung) ziemlich weit weg vom Städtchen ist. Rechts: Das Seehotel Sonne in Eich um 1850. 
 
Und jetzt seid ihr gefragt, liebe Sempacherseeleute:
Habt ihr noch weitere Infos, Anekdoten oder Bilder zum Bahnlininenbau um den Sempachersee? Was ist eure Meinung, passt das so wie es ist, oder hätte der Bund besser daran getan, die Bahnlinie bei Sempach vorbeizuführen? Schreibt uns eine Mail an info@trechter.ch
 
Quellen:
Staatsarchiv Luzern
map.geo.admin
www.sonneseehotel.ch
Historisches Lexikon der Schweiz, Band 4
Festzeitung zur Gedenkfeier Sempach 2012
 
Beat Kaufmann vom Sidlerhof Nottwil hat uns noch folgende zwei Dokumente vom damaligen Landverkauf an die Zentralbahn geschickt. Danke Beat!
 

zurück zur Übersicht