Riccardos E-Challenge

Mit dem E-Auto 1'500 km nach Kalabrien. Geht das?

Riccardo Carlucci aus Sursee ist leidenschaftlicher Motoristi und beruflich mit E-Mobility unterwegs. In seiner Kindheit fuhr er oft mit der Famiglia nach Kalabrien. Funktioniert die 1'500 km lange Strecke problemlos auch mit dem E-Auto? Dienstag-Nacht sind sie losgefahren. Mit einem Hyundai Ioniq 6 von Auto Birrer. Hier sein erster Blogbeitrag.

1. Die Ausgangslage
Elektroauto-Challenge oder doch eine ganz normale Reise – in den Süden? 🔆 🇮🇹
1'500km vorbei an defekten Ladesäulen, Ladesäulen ohne Ladekabel und, wenn dann doch geladen werden kann – geht der Ladetarif durch die Decke, die Ladestation erreicht nicht die versprochene Leistung oder noch besser, beim Ladestopp werden gleich die Räder geklaut und man findet sein Auto zwar vollgeladen jedoch auf Ziegelsteinen aufgebockt wieder?!

2. Der Test
Wir wollen dies nun ein für alle Mal klären, mit einem Besuch bei meiner «Nonna» in Kalabrien (Süditalien). Ohne Zwischenstopp, den Stiefel runter und wieder hoch. Diese Strecke habe ich als Kind mit meiner Familie oft, eigentlich in allen Sommerferien während meiner Schulzeit einmal jährlich absolviert. Ohne grössere Zwischenstopps sind wird die rund 1'500km, logischerweise mit einem Verbrenner, durchgefahren. Respektive mein Vater hat uns sicher runter navigiert. Darum habe ich mir gedacht, es wäre eine gute Idee, meine Eltern, Vito und Teresa, auf diesem Elektro-Roadtrip gleich mitzunehmen – um ein objektives Urteil zu erhalten, wie es um die Langstrecke im E-Auto wirklich steht.

3. Die Reichweite
Diese Frage, versuchen z.B. auch InsideEVs und Motor1.com Italia jedes Jahr, mit dem Test «From 100 to 5 %» zu beantworten. Unter realen Bedingen auf den Strassen von Rom, genauer noch auf der «Autostrada del Grande Raccordo Anulare». Für mich persönlich, zählen bei einem Elektroauto jedoch die Faktoren: Effizienz und Ladegeschwindigkeit. Somit fiel die Wahl für diesen Roadtrip auf den Hyundai Ioniq 6, welchen wir dafür lokal bei Auto Birrer AG in Sursee ausleihen dürfen. Diese viertürige E-Limousine überzeugt nämlich gleich in allen drei Disziplinen. Nicht nur schaffte der Ioniq 6 gemäss dem Test «From 100 to 5 %» eine reale Reichweite von > 450km, sondern gehört noch dazu zu den Top 3 der effizientesten Elektroautos im Test. Mit der 800-V-Technologie ausgestattet, erreicht er dazu noch eine der schnellsten Ladezeiten überhaupt.

4. Die Fragen
Dann folgen natürlich noch zwei Fragen: «Wo kann man das Elektroauto in Italien «schnell» Zwischenladen und was kostet es?!» Weil auch wir stehts alle verfügbaren Ladepunkte und Tarife im Blick haben wollen, haben wir uns für die AVIA VOLT Suisse App und Ladekarte endschieden. Mit dieser Schweizer Lade-App haben wir Zugang zu über 500’000 Ladepunkte in der Schweiz und ganz Europa! In Italien lässt sich somit ebenfalls an den lokalen Schnellladestationen einfach und bequem die Ladung freischalten. Alle Ladepunkte und den stationären, nachvollziehbaren Preis fürs Laden haben wir in der App stehts aufgeführt, in CHF natürlich!

5. Der Erfahrungsbericht
Am Dienstag-Abend sind wir losgefahren. Am Mittwoch-Abend sind wir in Amaroni angekommen. Die Reise nach Kalabrien war «leider» keine Elektroauto-Challenge, sondern eine ganz normale Reise – in den Süden.

Erster Halt
Den ersten Zwischenstopp legten wir noch in der Schweiz in Bellinzona bei GOFAST ein, einfach um vor der Italienischen Grenze das Elektroauto nochmal von 68% Batteriestand auf 84% aufzuladen. Die weitere Fahrt nach Kalabrien führte dann, auf der Hinfahrt, über die «Autostrada» A1 (auch Autostrada Milano – Napoli, Autostrada del Sole genannt). Der erste Ladestopp in Italien haben wir auf der Raststätte zwischen Parma und Modena, nach rund 410 km eingelegt. Auf der Raststätte konnten wir bei den 300kW Schnellladestationen von Free To X, direkt auf der Autobahn, aufladen.

Weitere vier Ladestopps
Auf der weiteren Reise entlang der «Autostrada del Sole» haben wir, in Abständen von jeweils 120 – 240km, weitere vier Ladestopps eingelegt. Immer konnten wir direkt auf der Autobahnraststätte an den vor Ort zur Verfügung stehenden Schnellladestationen von Free To X laden. Die Ladestopps hatten wir nicht zwingend eingelegt, weil wir unseren Ioniq 6 hätten aufladen müssen, sondern um möglichst viele Lade-Standorte testen zu können. So konnten wir in Erfahrung bringen, wie zuverlässig die Ladestationen sind. Weiter zeigt sich so auch automatisch, dass die Reichweite nicht der entscheidenden Punkt ist für das Reisen in Italien oder allgemein auf Langstrecke. Ladestandorte von Free To X finden sich auf der Autobahn in durchschnittlichen Abstand von 50km. 

Laden abseits der Autobahn
Das erste Mal von der Autobahn herunter mussten wir erst nach Salerno. In Campagnia konnten wir unmittelbar neben der Autobahnabfahrt bei einer Tankstelle Aufladen. An zwei 300kW Schnellladestationen vom Ladeanbieter Atlante. Den Ioniq 6 hatten wir hier mit 68% Batteriestand angesteckt um für die weitere Fahrt nach Kalabrien nochmals ausreichend Energie zu Laden. Auch hier haben Fahrzeug und Infrastruktur überzeugt. Die zusätzlichen 14 Kilowattstunden wurden in nicht einmal 9 Minuten aufgeladen und wir konnten mit 84% Batteriestand die Reise fortsetzen.

Letzer Stopp vor Kalabrien
Nach diesem Stopp, trennte uns nur noch eine Ladepause bis zur Ankunft in Amaroni, wo wir in Kalabrien zuhause sind. Diesen letzten Ladestopp legten wir nach weiteren 260km und nach total fast 1'400 km in Falerna beim Ladenetz von Ewiva ein. Die Ladesitzung starteten wir bei 23% state-of-charge (SoC) des Hyundai’s und luden in 20 Minuten auf 87% Batteriestand wieder auf. Auch hier zeigte sich der Ioniq 6 wieder von seiner besten Seite und fing das Laden direkt mit 225kW Ladeleistung und mit rund 15min bis 80% SoC an. Danach fuhren wir die gut 50 verbleibenden Kilometer gemütlich und voller Energie nach Amaroni zu unserem Ziel.

Ladekosten für die Fahrt von Sursee nach Kalabrien: rund CHF 200.-

Mein Tipp
Falls du ein Elektroauto suchst, das auch längere Strecken über 1'000km bewältigt, dann unbedingt nach der Effizienz und Ladegeschwindigkeit von 20 – 80% erkundigen. Denn mit schnellen 200 – 250km Etappen kommst du gut voran, entscheidend für die Reisezeit ist dann die Zeit, welche fürs wieder Aufladen an den Schnellladesäulen benötigt wird. Mit der 800-V-Technologie ausgestattet stehen die Karten natürlich sehr gut – aber auch hier, entscheidend ist nicht eine kurze Spitzenleistung beim Laden, sondern eine stabile Ladekurve. So kannst du auch mit moderaten Batteriegrössen problemlos Langstrecken, effizient und entspannt, bewältigen.

» Den ausführlichen Bericht inkl. Rückfahrt gibt es auf LinkedIN...

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  • Das Team Carlucci beim Start am Dienstag-Abend.

  • Riccardos Papa in den 1990 Jahren am Zielort.

  • Mit dem Autobianchi von Sursee nach Amaroni.

  • Tradition trifft auf Moderne.

  • Der erste Halt mit Aufladen funktioniert.

  • Auf der Autobahn werden stetig neue Ladestationen gebaut.

  • Der letzte Ladestopp vor dem Zielort in Falerna. 15 Minuten mit 225kW Ladeleistung.

  • Nach über 1'400 km in Kalabrien angekommen

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