1. Kantonales Wanderlager

Erfahrungsbericht und Impressionen

„Natur pur“ kommt bei Jugendlichen gut an Das 1. kantonale Wanderlager auf der Rigi war ein voller Erfolg.

Eine Gruppe Jugendlicher wartet mit halb geöffneten Augen im Lagerhaus Obergschwend auf der Rigi Südseite. Der Geschäftsführer des mitorganisierenden Vereins Luzerner Wanderwege, Andreas Lehmann, besucht das von ehrenamtlichen Jubla-Leiterinnen und Leitern geführte Wanderlager. Die Müdigkeit am zweiten Morgen kommt nicht von ungefähr. Fast alle haben draussen in selbstgebauten „Berliner“-Zelten geschlafen. Einige „Blauring-Meitschi“ bevorzugten es gar, ihre Matten und Schlafsäcke direkt unter freiem Sternenhimmel aufzuschlagen. Für andere hingegen war es die erste Nacht überhaupt ohne festem Dach über dem Kopf. „Das war so toll, ich will das unbedingt noch einmal machen“, sagt Céline auf die Frage nach ihrem bisherigen Highlight.

Lagerleiterin Manuela Wicki erklärt mit einem Schmunzeln, dass sich die anfängliche Skepsis der 21 Jugendlichen aus dem ganzen Kanton Luzern alsbald in Begeisterung gewandelt hat. „Zuerst glaubten einige nicht, dass aus ein paar Planen überhaupt ein komfortables Zelt entstehen kann. Als die „Berliner“ Form annahmen, wollten die meisten nicht mehr zurück ins Haus.“ Durchgeschlafen hätten allerdings die wenigsten, glaubt sie. Die 27-jährige gebürtige Wolhuserin ist eine routinierte Leiterin, die dank ihrer Erfahrung und dem Vertrauen in ihr Team kaum etwas aus der Ruhe bringt. Schon unzählige Jubla-Lager fanden unter ihrer sympathischen Regie statt. Durch geschickte Planung und einer grossen Portion Mut zur Flexibilität will sie dem Wandernachwuchs bleibende Erinnerungen ermöglichen. Ihre Leidenschaft wirkt ansteckend.

Zum ersten Mal
Ein paar Motivationsspritzen sind im ersten Wanderlager des Kantons Luzern von Zeit zu Zeit durchaus nötig. Denn wie einige Teilnehmer*innen erzählen, waren die Eltern von der Lageridee so begeistert, dass sie die Anmeldung vor der Einwilligung des Kindes vorgenommen haben. „Ein wenig Wandern ist okay aber nicht zu viel“, gibt Avin zu Protokoll und fügt hinzu: „Ich laufe dafür lieber schneller.“ Wie er haben viele seiner neuen Freunde vor dem Lager niemanden gekannt. Die ausgelassene Stimmung zeigt schnell, dass dies kein Problem ist. Auch Fatma, die weder fliessend Deutsch spricht noch jemals zuvor Wanderschuhe schnürte, findet sofort Zugang zur Gruppe. „Für mich ist es sehr aufregend. Ich erlebe viele Dinge zum ersten Mal. Die Leiter und Kolleg*innen sind sehr nett und übersetzen mir alles, was ich nicht verstehe“, sagt die in Ermensee wohnhafte Schülerin auf Englisch. Stolz geht sie mit ihrem „echten“ Wanderstock aus dem Wald bereits steilere Pfade auf und ab. Welche Wege kommen denn am besten an? „Solche durch den Wald, über Stock und Stein und mit viel Abwechslung. Hauptsache keinen Asphalt oder Beton“, ist sich die Gruppe der fünf bereits geübten Wanderinnen einig. Hoch im Kurs sind Ziele mit schöner Aussicht.

Der Sinn des Wanderns
„Wohin gehen wir?“, sei am Anfang immer die erste Frage, sagt Manuela. „Wir möchten zeigen, dass es nicht nur darum geht, von A nach B zu wandern. Wenn wir unterwegs an schönen Plätzen Rast machen, bräteln, die Aussicht geniessen und Karten für das Weiterwandern studieren, merken die Schüler*innen plötzlich, dass nicht nur Ziele und Gipfel attraktiv sind. Ausserdem gehört auch eine ‚Bähnlisafari‘ zum Programm. Das kommt gut an.“ Flurina, ebenfalls passionierte Leiterin, ergänzt: „Am Weg gibt es so viel Inspirierendes, man trifft immer auf etwas, was man spontan genauer erklären und so die Kids zu Fragen anregen kann. Obwohl die Gruppe bunt zusammengewürfelt ist, verlaufen die Ausflüge harmonisch. Beim Wandern haben wir viel Zeit zum Reden und uns kennenzulernen.“ Das Pionierprojekt verfolgt das ambitionierte Ziel, den Funken der Begeisterung auf die junge Generation zu übertragen. Fernab der Zivilisation, befreit von Alltagsaufgaben und unter kundiger Leitung können sich die Teilnehmer*innen einfach in der Natur bewegen. Gleichzeitig wird ihnen ein verantwortungsbewusstes Verhalten gegenüber Umwelt vorgelebt. Je nach Niveau ist selbständiges Orientieren im Gelände anhand der gelben Wegweiser und mittels topografischer Karte ein Thema. „Das Resultat sind viele spannende Erlebnisse ohne Handys und Internet. Mit der Zeit merken alle, dass wandern gar nicht so schlimm ist und man in einem Tag oder in einer Woche sehr viel erreichen kann,“ so die Lagerleiterin. Das bekräftigt auch Maksim, der mit seinen Eltern auch zu Hause in den Bergen unterwegs ist. „Ich mag wandern ohne zu übertreiben. Etwas Spass gehört dazu, das gefällt mir hier.“

Mit Stirnlampen zum Sonnenaufgang
Schon bald kam der Wunsch auf, einmal den Sonnenaufgang zu sehen. Gesagt, getan. Trotz einigen Protesten zum frühen Aufstehen war beim Loslaufen um 5:30 Uhr in kühler Dunkelheit die Vorfreude vereinzelt erkennbar. „Es war erstaunlich, wie zügig wir vorangekommen sind, solange wir fast nichts gesehen haben“, erzählt Manuela. So wurde die Sonnenaufgangswanderung auf den Rigi Kulm zur bleibendsten Erinnerung. Die spektakuläre Sicht und der goldene Morgenhimmel auf dem Etappenziel Rigi Scheidegg zauberte der ganzen Gruppe ein breites Lachen ins Gesicht. Da dürfen auch einmal Handys zu Fotozwecken gezückt werden. Zur Überraschung präsentiert sich die Königin der Berge an diesem Tag frisch gepudert. Vom Neuschnee sind alle ‚aus dem Häuschen‘. An vorderster Stelle marschiert Wiktor, dessen älterer Bruder Witek ihn kurzerhand ins Lager mitgebracht hat. Der jüngste Teilnehmer läuft problemlos mit. „Ich mag es, wenn es bergauf geht“, so Wiktor. Sein Bruder ergänzt, dass sie vor allem das Wandern in der Gruppe schätzten und ins Lager gekommen seien, weil ihnen die Leiter schöne Wege zeigten.

Was schöne Wege ausmachen, wie man solche findet und in eine Wanderplanung packt, erläutert Andreas Lehmann anhand interaktiver Aufgaben und einem Sternlauf. „Die Jugendlichen haben viel gelernt und konnten die neuen Informationen gleich im Gelände umsetzen. Am Ende waren alle total glücklich über das Erlebte. Sie genossen den Lagergroove und die vielfältigen Aktivitäten, die das Wandern einschliesst“, bilanziert Manuela zufrieden.

Der Verein Luzerner Wanderwege
In Zusammenarbeit mit den Behörden von Kanton und Gemeinden ist die technische Leitung zuständig für den Vollzug des Bundesgesetzes über die Fuss- und Wanderwege und dessen Ausführungsverordnung. Der Verein kontrolliert das über 2‘750 Kilometer lange Wanderwegnetz jährlich auf Mängel und erneuern die Markierungen. Diese Arbeit wird durch freiwillig arbeitende Bezirksleiterinnen und Bezirksleiter ausgeführt, die jeweils einen der 33 Bezirke im Kanton Luzern betreuen. So profitieren die Einwohner von einem gut signalisierten, sichereren und attraktiven Fusswegnetz. Die Luzerner Wanderwege sind Mitglied des Verbands der Schweizer Wanderwege und werden durch einen Beitrag des Kantons und der Gemeinden finanziert. Ohne die Unterstützung der Mitglieder und freiwilliger Arbeit wären diese Leistungen nicht möglich.

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