Ein Bus bis zum Bahnhof Nottwil?

Grosser Widerstand bei der ersten Infoveranstaltung

Ein Bericht von Andreas Troxler

«Überdimensioniert, zu teuer, unverhältnismässig». Der geplanten Bus-Erschliessung des Bahnhof Nottwils bläst eine steife Brise entgegen. Das wurde an der ersten öffentlichen Infoveranstaltung deutlich. Die Anreiner weisen auf die engen Platzverhältnisse und die chaotischen Zustände während den Sommermonaten hin. Der Gemeinderat sieht die einmalige Chance, das Projekt mit Kantonsgeldern nur jetzt kostengünstig zu realisieren.

Die Gemeinde Nottwil lud am 10. März 2026 zur Informationsveranstaltung zur Teilrevision der Ortsplanung: «Kompensatorische Ein- und Auszonung Underdorf / Tafelweid und Buswendeplatz Bahnhof». Die Umzonung Unterdorf soll erfolgen, weil auf dem ursprünglich dafür vorgesehenen Grundstück Tafelweid desselben Eigentümers keine nachbarliche Einigung erzielt werden konnte. Zweitens soll mit einem Buswendeplatz der Bahnhof Nottwil für die Busline 65 erschlossen werden. Eine Bevölkerungsbefragung habe dieses Bedürfnis aufgezeigt. Der Gemeinderat hat die Projektplanung darauf u.a. mit dem Kanton, der SBB und dem Landbesitzer aufgenommen. «Der Kanton hat freiwerdende Gelder, da sich der Tiefbahnhof Luzern verzögert, auch die SBB und das SPZ würden sich beteiligen. Es wird die Gemeinde nur CHF 800'000, wenn nicht sogar weniger kosten», wie Gemeindepräsident Walter Steffen im späteren Verlauf des Abends verlauten liess und im Gegensatz zur versandten Botschaft auch einen ersten Einblick in die Finanzierung gab.

Die Bedenken des Quartiers
Die geschätzten 100 Teilnehmenden, vordergründig aus den betroffenen Quartieren, zeigten sich in der abschliessenden Fragerunde impulsiv. Sie brachten ein, dass der geplante Buswendeplatz in der vorliegenden Form keine Verbesserungen brächte. Im Gegenteil. Es herrsche aktuell ein unübersichtliches Verkehrsaufkommen am Bahnhof. Das Trottoir sei für Kinderwagen zu schmal, velofahrende Kinder seien gefährdet, Autos viel zu schnell unterwegs in der geltenden 30er Zone. Der Gemeinderat wurde dazu eingeladen, sich während den Sommermonaten selbst ein Bild davon zu machen. Dass man «einmal einen Blitzer aufstelle», konnte die Gemüter auch nicht abkühlen. Generell wurde bemängelt, dass die Anreiner nicht proaktiv in die Erarbeitung des Projekts involviert wurden.

Die unübersichtliche Situation an der Strassenkreuzung Kantonsstrasse zur Bahnhofstrasse bereitete weitere Bedenken. Gemeindepräsident Walter Steffen verwies auf den «Topf beim Kanton», in dem sich dieses Strassenbauprojekt befände und mit dem sich das Problem der Unübersichtlichkeit in naher Zukunft verbessern würde. Dabei in trauriger Erinnerung bleibt der tödliche Verkehrsunfall vom 2020 eines 65-jährigen Mannes, der beim Überqueren des Fussgängerstreifens erfasst wurde und noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen erlag.

«Das ist ein strategisches Projekt für die langfristige Zukunft», ging es in der Fragerunde pulsierend weiter. Was zunächst als Pro-Argument klang, kehrte der Votant danach ins Gegenteil um: «Gibt es den Bahnhof in 20 Jahren überhaupt noch?» Utopisch erscheint da die gemeinderätliche Aussage, dass dann vielleicht auch der Schnellzug in Nottwil halten würde, obwohl dabei nicht ganz klar wurde, ob dies humoristisch gemeint gewesen war.

Wer benötigt den direkten Bahnhof-Anschluss?
«Alle werden älter und ich bin froh, wenn der Bus bis an den Bahnhof fahren würde». Ein Pensionär, wohnhaft im Sonnenrain-Quartier beim Nottwiler Alterszentrum, versuchte, den praktischen Nutzen für die Bevölkerung, als Einziger an diesem Abend, ins Spiel zu bringen. Die Frage, ob denn eine zukünftige Nutzerstrategie und Nutzerfrequenzen erarbeitet wurden, beantworte der Gemeinderat negativ. Als Teilnehmer des Events wurde man den Verdacht nicht los, dass man hier etwas plant, ohne den eigentlichen Bedarf zu kennen. Denn auch die Frequenzen des ehemaligen, kurzzeitigen Postauto-Testbetriebs sind bisher nicht in die Planung eingeflossen.

Die Haltung des Gemeinderates
Bauvorsteher Meinrad Müller beleuchtete in seinen vorausgehenden Ausführungen die zukünftige Funktionalität mit zwei Haltekanten für die Gelenkbusse und neuen Parkplätzen für Fahrräder, Mofas und PW’s, neuer Tempo 20 Zone und Begegnungsplatz. Auch das Trottoir würde beim Umbau entfernt werden und die neue Stützmauer sei ein grösserer baulicher Eingriff, aber die Mauer könne bepflanzt werden. Zusätzlich würden Grünflächen geschaffen, welche für die Biodiversität genutzt werden könnten. Konkret eingeplant, sei aber noch nichts, wie auf die Frage aus dem Plenum zu erfahren war. Auch neue Busverbindungen wurden genannt, die in der versandten Botschaft nicht erwähnt wurden. So seien eine Durchmesserlinie vom Spital Sursee mit Endstation Nottwil und die Erweiterung der Buslinie 70 von Neuenkirch beim Verkehrsverbund in Planung. Daraus resultiert künftig ganz offensichtlich zusätzlicher Busverkehr durch das enge Nadelöhr zum See. Der bescheidene Wendeplatz wird zum pulsierenden Bus-Hub.


Quelle: Infografik. Botschaft der Gemeinde Nottwil, Feb. 2026

Mit dieser Salamitaktik des Gemeinderates mit kleinen Infografiken in seiner öffentlichen Botschaft (siehe oben), zurückhaltenden Infos zur Finanzierung im Kontext der angespannten finanziellen Situation durch den Schulhaus-Erweiterungsbau scheint der Projektmotor bereits jetzt ins Stottern zu geraten. Das zeigte sich besonders am Schluss der Veranstaltung, als sich Walter Steffen ungläubig ans Plenum richtete:

«Darf ich fragen, wie ihr überhaupt zum Projekt steht?»

Ausgehend von einem Bedürfnis «von vielen» hat die Gemeinde vorwärts gemacht und geplant. Das ist lobenswert. Doch wie viel ist «von vielen», wenn es um die konkrete Umsetzung eines strategisch bedeutenden Bauprojekts geht, und es mehr wird als eine schnelle Antwort auf eine Suggestivfrage in einer nicht repräsentativen Umfrage, wie es ein Votant treffend einbrachte? Es gibt auch viele, die dem aktuell geplanten Buswendeplatz kritisch gegenüber stehen. Das wurde an diesem Abend äusserst deutlich.

Salamitaktik vs. Wachstumsgrenzen
Droht dem Busbahnhof nun dasselbe Schicksal wie dem Begegnungsplatz? Auch dort hatte der Gemeinderat nach einer Bevölkerungsbefragung, im Nachhinein übereifrig, ein latentes Bedürfnis ausgemacht und mit viel Elan ein Projekt entwickelt, unter anderem in Rücksprache mit den Dorfvereinen. Bei der Gemeindeabstimmung marschierte dann erstmals die mobilisierende Gegnerschaft auf, die das Projekt versenkte. Das gleiche Schicksal deutet sich aktuell beim von Jugendlichen initiierten Pumptrack an. Die Finanzierung steht noch nicht, die Kirchgemeinde hat Einsprache erhoben und die SVP verweist in einem Leserbrief auf die schwindenden Landreserven und den sorgsamen Umgang damit. Diese Sorge zeigte sich auch an diesem Abend und der zweiten traktandierten Umzonung. Wieso man teilseitig anschliessend an die Landwirtschaftszone auf W14 und nicht auf W11 gehe? «In den nächsten acht Jahren wird in unserem Quartier gebaut und es muss mit stetigem Baulärm gerechnet werden». «Ja, das wird wohl so sein», meinte Bauvorsteher Meinrad Müller nüchtern-realistisch.

Hat Nottwil genug vom Wachstum? Der Gemeinderat zelebriert gebetsmühlenartig seine Strategie der letzten Jahrzehnte: einzonen, bauen und die Folgekosten für die Infrastruktur mit zusätzlichen Steuereinnahmen durch erneutes Einzonen decken. Dieses System stösst an seine Grenzen. Wird der geplante Bus-Wendeplatz auch zum Wendepunkt in der Gemeindestrategie und der Entwicklung der Gemeinde Nottwil?

Das weitere Vorgehen der Gemeinde
Die öffentliche Auflage der Teilrevision läuft vom 02.03 bis 31.03.2026. Die weiteren Termine werden vom Gemeinderat nochmals überprüft. Die Inputs von der Informationsveranstaltung werden ausgewertet und mit den Projektbeteiligten besprochen.

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