Büroflächen in der Region unter Druck?
Interview mit Nico Häfliger, Redinvest Immobilien AG
Der Büroflächen-Markt im Sinkflug? Im 2025 stieg die Zahl der leer stehenden Büroflächen in der Schweiz um 9 Prozent. Wie sieht es in der Sempachersee Region aus? Sind Gewerberäume noch gefragt? Wir haben bei Nico Häfliger von der Redinvest Immobilien AG in Sursee nachgefragt.
Wie hat sich das Angebot und die Nachfrage beim Gewerbeflächen-Markt in der Region Sempachersee in der Vergangenheit entwickelt?
Der Gewerbeflächenmarkt in der Region Sempachersee war über viele Jahre solide und gut aufnahmefähig. Vor der Corona-Pandemie war die Nachfrage nach Büro- und Dienstleistungsflächen stabil, insbesondere in gut erschlossenen Lagen wie Sursee. Mit Corona kam jedoch ein deutlicher Einschnitt. Homeoffice gewann stark an Bedeutung, Unternehmen hinterfragten ihren Flächenbedarf und Expansionspläne wurden sistiert oder verschoben. Viele Firmen wollten während und nach der Pandemie nicht wachsen, sondern Strukturen konsolidieren. Entsprechend hat sich die Nachfrage spürbar reduziert. Auf Angebotsseite hat sich gleichzeitig das Volumen erhöht, teils durch Neubauprojekte, teils durch freiwerdende Flächen. Das hat den Wettbewerb klar verschärft.
Wie präsentiert sich der Markt aktuell?
Aktuell zeigt sich ein differenziertes Bild. Die extreme Zurückhaltung der Corona-Jahre hat sich beruhigt, die Nachfrage ist wieder stabiler, aber selektiver. Unternehmen prüfen heute genauer:
- Standortqualität
- Erreichbarkeit
- Werbewirksamkeit
- Flexibilität der Flächen
- Preis-Leistungs-Verhältnis
- Investitionskosten (Ausbau)
Der Markt funktioniert weiterhin, insbesondere in Sursee als regionalem Zentrum. Aber die Vermarktung ist anspruchsvoller geworden. Gewerbeflächen zu vermieten ist heute eine anspruchsvolle Aufgabe. Es ist ein intensiver Prozess, der Zeit, Marktkenntnis, ein gutes Vermarktungskonzept und gezielte Ansprache benötigt.
Eine aktuelle Studie sieht Büroflächen in der Peripherie zunehmend unter Druck. Stellt ihr solche Tendenzen auch in unserer Region fest?
Ja, diese Tendenz ist grundsätzlich erkennbar, allerdings mit regionalen Unterschieden. Flächen in peripheren Lagen oder mit schwächerer Erreichbarkeit stehen stärker unter Druck. Firmen sind heute sensibler bezüglich Arbeitsweg, ÖV-Anbindung und Umfeldqualität. Mitarbeitende haben höhere Ansprüche an Flexibilität und Standortattraktivität. In gut erschlossenen Lagen wie Sursee ist der Druck weniger stark, aber auch hier sind Mieter anspruchsvoller geworden. Reine «Standard-Büroflächen» ohne Mehrwert lassen sich deutlich schwieriger vermarkten als früher.
Werden in Zukunft vermehrt Büroflächen auch bei uns länger leer stehen, da Firmen weniger Fläche benötigen?
Teilweise ja. Insbesondere bei älteren, wenig flexiblen Objekten. Viele Unternehmen arbeiten heute mit hybriden Modellen. Das reduziert den Flächenbedarf pro Mitarbeitenden. Gleichzeitig steigt aber die Anforderung an Qualität: Weniger Fläche, dafür bessere Infrastruktur, moderne Ausstattung, Begegnungszonen und flexible Grundrisse. Flächen, die diesen Anforderungen nicht entsprechen oder preislich nicht marktgerecht positioniert sind, werden künftig länger leer stehen. Moderne, flexible und gut gelegene Objekte hingegen haben weiterhin gute Chancen. Ein weiterer Punkt wird sein, wie sich grundsätzlich die Anzahl Büroarbeitsplätze durch KI verändern wird.
Was ist eure Strategie als Vermarkter von Büroflächen für die Zukunft?
Unsere Strategie basiert auf drei zentralen Punkten:
1. Zielgerichtete Branchenansprache
Die Nachfrage ist heute stark branchenabhängig. Während Detailhandel eher rückläufig ist, beobachten wir beispielsweise im Gesundheitsbereich, bei Treuhand, Beratung oder spezialisierten Dienstleistungen weiterhin Nachfrage. Wir sprechen Zielbranchen aktiv und in ihrer Sprache an. Nicht nur über Inserate, sondern direkt.
2. Kreative Nutzungskonzepte
Wir denken Flächen nicht nur als klassische Büros, sondern prüfen alternative Nutzungen: Praxis, Schulung, Co-Working, Showroom, kombinierte Konzepte etc. Flexibilität wird entscheidend.
3. Realistische Marktpositionierung
Preis und Qualität müssen im heutigen Marktumfeld stimmen. Überhöhte Mietpreise verlängern Leerstände unnötig. Eine ehrliche Marktanalyse ist zentral für eine zeitnahe Vermietung.
Zusammengefasst:
Der Gewerbemarkt in der Region Sempachersee funktioniert, aber er verlangt heute deutlich mehr Engagement, Kreativität und strategisches Vorgehen als noch vor einigen Jahren.
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Das FlexA2 ist eine aktuelle Erfolgsgeschichte aus der Region Sursee.

Nico Häfliger ist stv. Bereichsleiter Verkauf-Bewertung-Beratung bei der Redinvest Immobilien AG.
