Bahnhof Nottwil: Die grosse Wende

Am 18. Juni 2026 geht's mehr als um einen neuen Bus-Wendeplatz. Ein Kommentar.

In Nottwil ist einiges los. Nicht nur durch den aufkommenden Sommerbetrieb am See. Die geplanten Einzonungen erhitzen die Gemüter. Der Gemeinderat versucht mit allen Mitteln, beide Projekte durchzubringen. Besonders beim Bahnhof. Der ursprüngliche Wendeplatz wurde nun zum «attraktiven, sicheren und vernetzten» Bahnhof, der die marode Infrastruktur aufpeppt.

von Andreas Troxler

Was bisher geschah – Verbesserungspotential überall.
Die Gemeinde Nottwil lud am 10. März 2026 zur Informationsveranstaltung zur Teilrevision der Ortsplanung: «Kompensatorische Ein- und Auszonung Underdorf / Tafelweid und Buswendeplatz Bahnhof». Und traf unverhofft auf viel Widerstand. Wir haben darüber berichtet. Seither haben der Gemeinderat und die beteilligten Projektpartner Kanton, Verkehrverbund und SBB viel in die Aufklärung der Bevölkerung investiert. Sowohl die Botschaft zur Gemeindeversammlung am 18. Juni wie auch das Gemeindeblatt «NottwilAktuell» preisen die Vorzüge an. Am 8. Juni steht ein zweiter Infoabend zum Bahhnofprojekt an. Was einst mit zwei unscharfen Planungsbildern einfach und schnell als Bus-Wendeplatz durchgehen sollte, kommt nun mit zahlreichen Visualisierungen daher und hebt folgende Punkte hervor: 

  • Bauliche und betriebliche Defizite
  • Keine direkte und hindernisfreie Buserschliessung
  • Füssgängersicherheit ungenügend
  • Neugestaltung als Chance für funktionale, gestalterische Aufwertung Gesamtareal

Auch die eingegangen Einsprachen werden in der Botschaft abgehandelt und widerlegt. Das geschieht oft mit der Bemerkung, dass es hier nicht um das eigentliche Bauprojekt, sondern lediglich um die Teilrevision der Ortsplanung geht. 

Visualisierung des neuen Bahnhofs Nottwil (Quelle: Kurzbotschaft Gemeinde Nottwil).

Es bleiben (zu) viele Fragezeichen.
Wer die Einsprachen in der Botschaft und die Leserbriefe der Gegner im NottwilAktuell liest, fragt sich zwangsläufig, weshalb und für wen soll hier eigentlich gebaut werden? Oder, wie es Beat Huber in seinem Leserbrief formuliert: «Bei der zitierten Bevölkerungsbefragung hätten 14 Personen, der eingegangenen 590 Antworten, einen verbesserten ÖV-Anschluss gewünscht. Bei einer Gesamtbevölkerung von 4'200 Bewohnern.» Diese Ausgangslage nahm der Gemeinderat dann als Legimitation zu seinem Planungsstart.

Zweitens wird, gemäss ÖV-Konzept Sempachersee West des Verkehrverbunds Luzern, der Bahnhof Nottwil hauptsächlich für die Busline 65 erschlossen. Denn die Busline 62 werde den Bahnhof nicht anfahren. Die Busline 70 von Neuenkirch werde bei Nachfrage nach Nottwil zum SPZ, aber nicht an den Bahnhof geführt. Im Gespräch sei noch eine Tangentiallinie ab Spital Schenkon. So sollen aktuell also CHF 3 Mio. für eine bestehende und eine hypothetische, zusätzliche Buslinie eingesetzt werden. Weiter soll das Bahnhofareal durch die Umgestaltung sicherer werden. Wie eine Gesamtsituation durch zusätzlichen Verkehr durch Gelenkbusse sicherer wird, bleibt fragwürdig. Die Befürworter mögen einwenden, dass durch die neue Begegnunszone der Fussverkehr Vortritt geniesst. Wenn Menschen in Freizeitlaune neu die ganze Strasse benützen, bleiben auch hier Fragezeichen zur angestrebten, verbesserten Sicherheit.

Nimmst du den Bus an den Bahnhof?
Bleibt die Frage nach dem konkreten Bedürfnis dieses eiligen Ausbaus, in einer Gemeinde, die eigentlich sparen müsste. Ein ÖV-Ausbau zieht auch mehr Nachfrage nach sich, sagt man. Eine repräsentative Bedürfnisanalyse liegt bisher nicht vor. Auch der ehemalige Testbetrieb auf der Strecke Neuenkirch zum Bahnhof ist bis jetzt nicht in die Evaluation eingeflossen, wie es am Infoabend am 10. März 2026 offensichtlich wurde. Für welche Nachfrage baut man dieses Projekt also? Einfach bauen, weil jetzt das Geld da ist? Auf Vorrat investieren für die spätere Nutzung als Bus-Hub mit weiteren Buslinien? Wenn dieser Ausbau strategisch so wichtig ist, sollte der Kanton und die SBB auch noch in 10 Jahren die CHF 2.1 Millionen dafür aufbringen können. Dann stimmt vielleicht auch die Nachfrage.

Planungsübersicht des neuen Bahnhofs Nottwil (Quelle: Kurzbotschaft Gemeinde Nottwil).

Keine unnötigen Investionen, oder doch nicht?
Im Kern geht es um viel mehr als nur um die Neugestaltung des Bahnhofareals. Es geht um die Kommunikation des Gemeinderates. Wer durch den Erweiterungsbau des Schulhauses die kantonale Pro-Kopf Verschuldung überschreitet, das grösste Wachstum hinter sich hat und keine grossen weiteren Flächen einzonen kann, sollte sparen. Das wird an jeder Gemeindeversammlung betont, um danach doch wieder neue Inftrastrukturprojekte mit unüberschaubaren Folgekosten durchzubringen. Kurz: Die stetigen Versprechen korrelieren nicht mit dem Handeln: Nottwil leistet sich ein neues Schulhaus für den in Studien prognostizierten, zusätzlichen Bedarf. Mit jährlichen Mehrkosten von rund CHF 800'000, wie es in der Botschaft zur Urnenabstimmung 2025 hiess. In der aktuellen Botschaft zur kommenden Gemeindeversammlung wird ersichtlich, dass heuer weniger Kinder als prognostiziert in den Kindergarten eingetreten sind. Die kantonalen Pro-Kopf Beiträge fielen folglich um CHF 30'000 geringer aus.

Wird der Gemeinderat Opfer seiner Salami-Taktik?
In der aktuellen Botschaft wird auch informiert, dass der im letzten Jahr zur Erstellung eines Pumptracks gesprochene Betrag von CHF 100'000 bereits jetzt für Vorarbeiten des privat lancierten Projekts angezapft und mit CHF 26'000 belastet wurde. An der damaligen Gemeindeversammlung wurde dieser Betrag abhängig vom Zustandekommen der Finanzierung gemacht und als Beitrag zu den Totalkosten von CHF 300'000 gesprochen.

Wie sieht es nun bei den Betriebs- und Folgekosten des neuen Bahnhofs aus? Sind in den CHF 800'000 der kommunalen Projektkosten und den CHF 50'000 Betriebskosten auch allfällige Vorstudien und zusätzliche verkehrstechnische Baukosten zur Erschliessung bei der Abzweigung zur Bahnhofstrasse einberechnet? «Ein Bus und ein Auto können auf der bestehenden Strasse kreuzen. Falls später eine weitere Buslinie an den Bahnhof fährt, würde eine Ausweichstelle erstellt auf einer Landfläche im Gemeindebesitz», wie es fast schon ironischerweise in der Botschaft heisst. Ein Projekt in dieser Dimension müsste zuerst auf allen Ebenen zu Ende gedacht werden. Wer im Nachhinein nachbessern muss, fährt immer teurer. Wer Bus-Wendeplatz sagt und zukunftfähiges Verkehrsinfrastruktur-Projekt mit regionaler Anbindung meint, trifft bedingtermassen auf Widerstand. Wohl oder übel auch beim ersten Hindernis der kommunalen Abstimmung zur Einzonung am 18. Juni 2026.

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  • Heutige Situation am Bahnhof Nottwil.

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