Fasnacht damals

Die Zunft Heini von Uri blickt zurück

Keine Fasnacht in diesem Jahr. Deshalb schaut die Zunft Heini von Uri Sursee  in unregelmässigen Abständen in die Vergangenheit. Den Anfang macht Toni Sidler, Heinivater 1976, und seit 1962 in der Zunft Heini von Uri Sursee. 

Fasnachtsrückblick 1976 – Mit Altheinivater Toni Sidler
Text von Ausrufer Thomas Stillhart

Im Jubiläumsjahr «100 Jahre Zunft Heini von Uri» war Toni Sidler Heinivater. Zusammen mit Heinimamme Hermina und den drei Heinikindern Gabriel, Damian und Mirjam erlebte er eine erinnerungswürdige Fasnacht.
45 Jahre ist es her, seit am Samstag, 10. Januar 1976, das Dreikönigsbot um 16.30 Uhr im Hotel Central in Sursee stattfand. «Wir zogen nachher mit Fackeln und den Guggsurruuggern ins verdunkelte Städtli ein», erinnert sich Altheinivater Toni Sidler, der 1962 in die Zunft eintrat und die Lehre als Büromaschinenmechaniker absolvierte. Wie heute wurde der neue Heinivater vom Rathaus aus ausgerufen. «Es gab jedoch noch keine Fanfaren, und niemand durfte auf die Kirchentreppe.»

Inthronisation im «Hirschen»
Für die Inthronisation wechselten die Zünftler und die Ehegattinnen ins Hotel Hirschen. Zunftmeister Hugo Wolf und Kanzler Jules Willimann führten durch den Abend. Toni Sidler erzählt: «Im Orgelsaal bekam ich dann den Mantel, den meine Mutter Mina nähte. Ich trug ihn sehr stolz.» Schon damals war die Frohsinngesellschaft Stans Gast. Andere Gäste waren nicht dabei. Ein offizielles Essen gab es damals noch nicht. Wer Hunger hatte, bestellte etwas. Tüfel, Lälli und Feuk begleiteten den Heinivater zu allen Anlässen. «Während der ganzen Fasnacht waren die gleichen drei jungen Männer im Trabanteneinsatz.»

Für das Mehlsuppenessen lud die Heinifamilie einige Zünftler zu sich nach Hause ein. «Im Herbst vorher bestellte ich dazu in einem Spezereiladen im Kotten 2 kg Mehlsuppe. Die Verkäuferin war clever und ahnte wohl schon, dass wir Heinipaar werden», sagt Hermina Sidler. Sie ergänzt noch, dass sie damals für jeden Anlass ein anderes Kleid getragen habe.

Gleichzeitig OK-Präsident
Toni Sidler war 1976 nicht nur als 38-Jähriger Heinivater, sondern auch OK-Präsident «100 Jahre Zunft Heini von Uri Sursee». Das Jubiläum nahm die Zunft zum Anlass, einige Neuerungen anzubringen. «Wir führten zum Beispiel das Ornat ein. Vorher trugen alle Zünftigen einfach eine Narrenkappe. Allein der Zunftmeister, der Kanzler und der Heinivater hatten einen Dreispitz auf dem Kopf», macht Toni Sidler klar. Auch gab es damals erstmals eine Goldplakette, und der Heinivater bekam einen Thron. Zunftfreundin Alice Theiler nähte die Rückenlehne. «Wir wollten es feierlicher gestalten», erklärt er.

Nach dem Dreikönigsbot und der Inthronisation folgte am Samstag, 14. Februar, im Hotel Bellevue der Heiniball unter dem Motto «Hofball». Das ganze Hotel war für die Zunft Heini von Uri reserviert. Zwei Wochen später organisierte die Zunft im Bürgersaal des Rathauses einen Jubiläumsempfang für alle Ehrengäste, die dann am Abend in der alten Festhalle auf dem Märtplatz zum Jubiläumsbot eingeladen wurden. «Das war ein einmaliges, rauschendes Fest für die ganze Surseer Bevölkerung.»

Jubiläumsumzug am Sonntag
Tags darauf, am Sonntag, 29. Februar, startete der grosse Jubiläumsumzug durchs Städtli. «Dieser Umzug war ein riesiger Erfolg», sagt Toni Sidler. Zünfte aus allen Landesteilen gaben sich die Ehre. «Unsere 14 Monate alte Tochter Mirjam war auf dem Heiniwagen in einem gelb-schwarzen Laufgitter dabei», ergänzt Hermina Sidler.

Am 1. Februar half die Zunft bei der Kinderfasnacht mit. Den Güdisdienstag, 2. Februar, widmete sie den Altheinivätern. Ein Corso mit Oldtimern fuhr durchs Städtli. Jeder Altheinivater sass mit seiner Heinimamme in einem Oldtimer. «Sogar Jules Beck, Altheinivater 1922 und ehemaliger Stadtpräsident von Sursee, war dabei», freut sich Toni Sidler noch heute. Mit einem Guuggenmusikkonzert und dem Bööggverbrennen endete die Fasnacht 1976 ähnlich wie heute.

Ab Herbst 1976 Zunftmeister
Dass Toni Sidler ein rüüdiger Fasnächtler und eingefleischter Zünftiger war und ist, zeigte sich am Martinibot 1976. Er übernahm das Amt des Zunftmeisters, das er acht Jahre lang ausübte. Am Güdisdienstag 1977 kam Stefan, das vierte Kind von Hermina und Toni Sidler, auf die Welt. Aus dem Lautsprecher des Umzugs wurde verkündet: «Der letztjährige Heinivater ist Vater geworden.» Nach dem Umzug besuchten Heinivater Hans Lerch und Toni Sidler Hermina im Spital.

«In Erinnerung bleibt ein gewisser Stolz, dass das Feuer für alte Surseer Traditionen nie erloschen ist», beendet Toni Sidler seinen Rückblick. Sein Sohn Damian Sidler ist übrigens auch in der Zunft und als Plakettenchef in verantwortungsvoller Funktion.

Plaketten 2021
Apropos Plakette. In diesem Jahr verkauft die Zunft Heini von Uri Sursee eine limitierte Auflage von 555 Exemplaren zu 50 Franken. Der Entwurf stammt erneut aus der Feder des Soorser Maskengestalters Roger Stalder. Finanziell mitgetragen wird die Sonderausgabe der Fasnachtsplakette 2021 von der Bäckerei-Konditorei Stocker AG in Sursee. Die Plaketten können ab Februar bei allen Mitgliedern der Zunft erworben werden.

Passend zum Thema haben wir für euch einige Plaketten aus früheren Jahren bereit. Hast du auch ein Bild einer ganz alten? Dann sende es uns an info@trechter.ch

 

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  • Heinivater Toni Sidler, Heinimamme Hermina sowie die Heinikinder Gabriel, Mirjam und Damian. Das vierte Kind Stephan kam 1977 zur Welt.

  • Heinivater Toni Sidler, Heinimamme Hermina sowie die Heinikinder Gabriel, Mirjam und Damian mit den Fasnachtstrabanten Tüfel, Lälli und Feuk.

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