Fasnacht damals

Die Zunft Heini von Uri blickt zurück

«Onkel Hans» erinnert sich. Zusammen mit Ehefrau Anna und drei Kindern bildete Hans Lerch 1977 die Heinifamilie. 44 Jahre später sagt er: «Ich hatte eine gute Zeit.»

«Ich bewarb mich selber für die Zunft, obwohl es damals keine Büezer gab», erzählt Hans Lerch, der 45 Jahre lang die Post austrug und deshalb alle Surseer kannte. 1962, zwei Jahre nach der Wiedergeburt der Zunft Heini von Uri, trat der damals 30-jährige Hans Lerch der Zunft bei. Werner Sieger von der Granol war gerade Heinivater. Schon früher half er jedoch, wo es etwas anzupacken gab. 

Stubenmeister und Orangenwerfer
Dieses Anpacken war ihm im Blut. 23 Jahre lang führte er mit seiner Ehefrau Anna als Stubenmeister die Zunftstube. «Ohne ihre Mithilfe wäre es nie gegangen. Wir hatten zum Beispiel noch keine Abwaschmaschine.» Jahrelang marschierte er bei der Chesslete zuvorderst. Der Start erfolgte immer bei der Post. Ungezählt sind die Jahre, in denen Hans Lerch den Heinivater am Umzug auf dem Heiniwagen begleitete und Orangen verteilte. Die Heiniväter kannte er alle – auch privat. Heute übernimmt  der Zunftherr diese Aufgabe. Damals seien die Chargen anders verteilt gewesen, erklärt Hans Lerch.

Zu seinem riesigen Engagement und seiner steten Präsenz, die ihm den Übernamen «Onkel Hans» eintrug, fasst er zusammen: «Früher war ich bei jedem Anlass dabei. Es war immer lustig. Ich hatte Freude daran, die anderen auch.»   

Lustig wie ein Zigeunerleben 
1977 durfte er das Zepter der Surseer Fasnacht als Heinivater schwingen, nachdem er erst im November davor von seinem Glück erfuhr. Sein Motto lautete: «Lustig ist das Zigeunerleben.» Es habe immer lustig sein müssen, sagt er dazu und fügt an: «Ich war ja ein halber Zigeuner: überall dabei, nie zu Hause.» Seine Frau Anna war Schneiderin und produzierte mindestens zehn Ornate. Die Heinikinder Hans junior, Barbara und René genossen die Fasnacht 1977 ebenfalls in vollen Zügen. 

Nach der Inthronisation trafen sich die Zünftler und Verwandte bei Hans Lerch an der Bahnhofstrasse zur traditionellen Mehlsuppe. «Meine Schwiegermutter kochte sie.» Weil die Wohnung für alle zu wenig Platz bot, assen einige die Mehlsuppe im Treppenhaus. «Nach der Suppe gingen wir noch bis am Morgen um 9 Uhr zu Hans Kottmann.» 

Keine Schnecken im Kloster
Damals fand der Heiniball im «Bellevue» statt. Ein Komitee mit Bruno Künzle und Hansruedi Steiner schmückte das Hotel von oben bis unten. «Im Trockenraum im Keller gab es eine Bierschwemme und ein Bierstübli», blickt er zurück. Hans Lerch war der erste Heinivater, der beim traditionellen Mahl im Kapuzinerkloster keine Schnecken mehr zu essen bekam. «Es gab stattdessen einen feinen Braten», meint er. 

Am Surseer Umzug beteiligte sich die Post ihm zu liebe mit einem eigenen Wagen. Postverwalter war damals Jules Troxler, der Vater von Altheinivater Urs Troxler. «Als Zugfahrzeug fand er einen Post-Jeep mit Chaffeur», erinnert sich Hans Lerch mit grosser Freude. Auch an die Wagen von Schulhausabwart und Urfasnächtler Sebi Kämpf, des Turnvereins und «seines» Unteroffiziersvereins hat er gute Erinnerungen. 

Er vermisst die Fasnacht
In den vergangenen Jahren mussten die Surseer Fasnächtler ohne «Onkel Hans» auskommen. Gesundheitliche Probleme reduzierten seine Präsenz. «Ich vermisse die Fasnacht, die Zunft und vor allem die Kollegen sehr», erzählt Hans Lerch am Telefon, da wegen Corona kein Besuch möglich war. Zum Glück, so schliesst er seine Erzählung, holte ihn gelegentlich Bruno Künzle am Fasnachtssonntag im Alterszentrum St. Martin ab und brachte ihn nach Mauensee. Im «Rössli» isst die Zunft Heini von Uri aus Tradition das Abendessen. «So habe ich wenigstens ein paar Zünftler gesehen. Ich hatte aber eine gute Zeit.»

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  • Heinipaar Anna und Hans Lerch am Umzug 1977.

  • Heinivater Hans Lerch 1977.

  • Die Heinifamilie am Umzug 1977: Heinimamme und -vater Anna und Hans Lerch (hinten) mit den Heinigoofen René, Hans junior und Barbara.

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