IRONMAN - Weltmeisterschaft auf Hawaii

Ein Erlebnisbericht von Alain Friedrich aus Oberkirch

Die IRONMAN-Weltmeisterschaften auf Hawaii sind für einen Langdistanztriathleten, der im Wettkampf 3.8km schwimmt, 180km Rad fährt und abschliessend einen Marathon läuft, wie die olympischen Spiele für Kurzdistanztriathleten und andere Sportler. Selbst Nicht-Triathleten kennen das Rennen auf Big Island – Hawaii, denn mit Daniela Ryf und Natascha Badmann sind zwei der wohl erfolgreichsten Athletinnen Schweizerinnen.
In den meisten Gesprächen über Triathlon kommt dann auch immer die Frage: „Warst Du schon mal auf Hawaii?“. Bis zum 15. Oktober musste ich immer verneinen. Nun kann ich stolz verkünden: Ja, ich war dabei (und habe gelitten wie noch nie).

Die Qualifikation und die Vorbereitung
Ich hatte das Glück, dass ich die „Hawaii-Quali“ bereits im Herbst 2016 am IRONMAN Mallorca holen konnte. Dieses Rennen hätte eigentlich mein letzter Langdistanztriathlon sein sollen. Zu meiner Überraschung war ich aber „zu schnell“, gewann das Amateurrennen in 8:45 Stunden und holte die Qualifikation für die Weltmeisterschaften auf Hawaii im Jahr 2017.
Das Training ging also weiter und wie. In den Wochen und Monaten vor dem grossen Highlight am 14. Oktober 2017 trainierte ich zwischen 13-20 Stunden pro Woche, stand regelmässig um 5:00-5:15 Uhr auf und arbeitete daneben Vollzeit als Anwalt und Notar in Luzern. Ein dicht gedrängtes Programm, das mir zeitweise meine Grenzen aufzeigte. ABER: Spass gemacht hat es immer. Erfolge gab es auch; beispielweise beim SWISSMAN, welchen ich völlig überraschend gewinnen konnte. Ein gewisses Selbstvertrauen war also da.

Die Rennwoche und das Rennen
Am 1. Oktober 2017 war es dann soweit. Wir, d.h. meine Frau, meine Eltern, meine Schwiegereltern und ich flogen nach Hawaii. Bereits die fast 30-stündige Reise ist ziemlich anstrengend. Aber die Ankunft in Kailua-Kona, dem Start und Zielort des IRONMAN Hawaii, entschädigt für sämtliche Reisestrapazen. Sommer, Sonne und Meer im Oktober. Was will man mehr?
In den 13 Tagen vor dem Rennen ging es dann v.a. um die Akklimatisation und den Test des Rennmaterials. Das Training verlief gut bis sehr gut und ich war zuversichtlich, dass auch das Weltmeisterschaftsrennen gut ausgehen würde. Selbstverständlich wusste ich aber auch, dass Temperaturen von bis zu 45 Grad (an der Sonne) und die heftigen Winde auf der Radstrecke keine Fehler erlauben würden. Trifft man in diesen Bedingungen eine falsche Entscheidung, büsst man das ganze Rennen dafür.
In den 5 Tagen vor dem Rennen geht der ganze IRONMAN-„Zirkus“ dann richtig los. So findet beispielsweise eine Nationenparade (wie an Olympia!) und ein Underpants Run statt. Wie der Name schon sagt, am Underpants Run laufen mehrere tausend Personen in Unterwäsche um die Wette. Körperkult und Fasnacht in einem. Ein einzigartiges Erlebnis, an dem ich nicht fehlen durfte!
Am Samstag, 14. Oktober 2017 war es dann endlich soweit. Um 7:05 Uhr ertönte der Startschuss für das Amateurrennen. Die Profis starteten etwas früher, sind aber den ganzen Tag auf derselben Strecke. Man kann sich also 1:1 mit seinen Triathlonhelden vergleichen und messen.
Das Rennen startete mit einem Massenschwimmstart. Es geht zu und her wie an einem Boxkampf. Jeder sucht die beste Position und sprintet um den Weltmeistertitel. Nach ca. 2-3 km entspannt sich die Lage.
Für mich war das Schwimmen in Ordnung. Keine Meisterleistung, aber auch keine totale Enttäuschung. So konnte ich das Wasser nach 57 Minuten verlassen.
Nach dem Schwimmen folgte das Radfahren. Die Strecke ist nicht unbedingt „schön“ und auf den ersten Blick auch nicht besonders hart. Man fährt 90 km auf einer Autobahn in eine Richtung, dreht um und fährt 90 km zurück. Was die mit ca. 1400 Höhenmetern gespickte Radstrecke aber richtig schwierig macht, sind die heftigen Seitenwinde und die brütende Hitze.
Dieses Jahr waren die Bedingungen – mit Ausnahme der brütenden Hitze - glücklicherweise nicht allzu schwierig und ich konnte die 180km in 4:47 Stunden zurücklegen. Ich fühlte mich auf der gesamten Radstrecke gut, leider zu gut, wie sich später herausstellte.
Als ich in die zweite Wechselzone kam, schien ein Podestplatz in Griffnähe. Ich hatte lediglich wenige Sekunden Rückstand auf Platz 3. Eine Millisekunde glaubte ich dann sogar daran, dass mir bei meinem ersten Weltmeisterschaftsrennen eine Exploit gelingen würde. Als ich dann aber auf die Laufstrecke wechselte, merkte ich schnell, dass ich der Hitze Tribut zollen muss. Der abschliessende Marathon wurde dann zum Kampf mit mir selbst. Laufen, marschieren, positiv denken und wieder von vorn. Die letzten 10 km waren wohl die Härtesten in meiner sportlichen Laufbahn. Aber Aufgeben war nie eine Option. Zu schön waren die Erlebnisse auf der Rennstrecke. Da siehst du einen zweifachen Weltmeister, der – wie du selbst – leidet wie nie zuvor, aber dennoch das Rennen beendet. Da siehst Du eine Schweizerin, welche zu fliegen scheint und die Weltmeisterschaft zu dritten Mal gewinnt. Da muss man einfach weiter kämpfen!
So kam ich nach 9:31 Stunden zufrieden und voller Emotionen ins Ziel. Es war ein toller Tag. Mit etwas Zurückhaltung auf dem Fahrrad wäre sicherlich mehr drin gelegen. Egal. Das Rennen war eine der besten Erfahrungen, die ich in sportlicher Hinsicht je machen durfte.
Die Atmosphäre vor, während und nach dem Rennen ist schlicht und einfach elektrisierend. Noch nie habe ich so viele austrainierte und fitte Sportler gesehen, die alle eine gemeinsame Leidenschaft haben: Triathlon.

Was bleibt?
Nun bin ich bereits seit einer Woche wieder zurück am Arbeitsplatz und erinnere mich an eine intensive Zeit auf einer wunderschönen Insel. Das Schönste am ganzen Erlebnis „IRONMAN Hawaii“ war, dass ich es mit meiner Familie teilen durfte. Obwohl man nämlich immer das Gefühl hat, Triathlon sei ein Einzelsport, muss man ehrlicherweise sagen, dass es für einen Amateur ein Ding der Unmöglichkeit wäre ohne die Unterstützung von Ehefrau, Familie und Freunden, Triathlonsport auf hohem Niveau zu betreiben. Zu einsam und überfordert wäre man im täglichen Training und dessen Organisation.
In diesem Sinne möchte ich auch meiner ganzen Familie, meinen Kollegen und meinen Materialsponsoren, Skechers Performance Shoes, Orca Triathlon, ClifBar, Precision Hydration ganz herzlich danken. Ohne Euch wäre 2017 nicht halb so gut gewesen!
Wie es für mich sportlich weiter geht, steht in den Sternen. Zu viele andere Projekte schwirren im Kopf. Aber wie ein Kollege von mir kürzlich sagte: Der Virus „Hawaii“ lässt einen nicht so einfach los...

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